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Τετάρτη, 17 Ιουνίου 2015

Griechenland als Ruine in schwarzweiß

Inspiriert durch Fotografien der Griechischen Botschaft von Susanne Dimpfl



«το μαύρο από τ’ άλλο του μέρος
άσπρο είναι»
Γ. Ρίτσος

Der Gegensatz zwischen schwarz und weiß drückt immer Stärke und Energie aus. Das Licht kämpft mit der Dunkelheit, die Dunkelheit zwängt dem Licht seine eigene Wahrheit auf, alles ist absolut. Ungeachtet dessen, ob es sich um Bilder, Allegorien oder Symbole handelt. Im Gegenteil dazu ist grau die Farbe des Kompromisses, des Aufgebens. Das grau hat die Mittelmäßigkeit zu seiner Stärke gemacht. 
Diese Gedanken haben mir die herausragenden schwarzweiß Fotografien der Künstlerin Susanne Dimpfl, geboren 1962 in München, angestoßen. 1988 fotografierte sie die Ruine des im 19. Jahrhundert entstandenen klassizistischen Gebäudes der Griechischen Botschaft in Berlin. Die Bilder sind suggestiv, sie beschweren sich nicht über den Verfall sondern es ist als ob die Geschichte dem Betrachter ihre Entscheidung stumm mitteilt.


Sehr wenige Kunstwerke, wie beispielsweise die Installation von Vlassis Caniaris „Hélas Hellas“ von 1979/80, reflektieren den Zeitgeist der nach der Militärdiktatur im Land vorherschte. Man lebte in einem Raum künstlicher Glückseligkeit, in dem der übertriebene Laizismus als Ideologie und politisches Statement gesehen werden wollte. Die nationalistische Rhetorik des politisch rechten Flügels und das revolutionäre, realitätsfremde Konstrukt der Wirklichkeit der Rechten, hatten Eines gemeinsam: die Heuchelei. Nur altmodische Theorie ohne jegliches Gespür für die Realität der Geschichte. Aber die Geschichte bestraft immer. Politische und geistige Hegemonie, ökonomische Nomenklatur aber auch das Proletariat lernten mit Lügen zu leben. Die herrschende Klasse in Griechenland sagt andere Dinge als sie meint, meint andere Dinge als sie sagt, Anderes glaubt sie und anders handelt sie. So manifestiert sich das Drama der «Μεταπολίτευση» (Regierungswechsel nach Ende der Diktatur 1974 hin zur parlamentarischen Demokratie) der Zeit nach der Junta bis heute, das zur weitreichenden, aktuellen Krise in Griechenland beigetragen hat. Es ist seltsam aber die Kunst hat teilweise die Möglichkeit eine historische Wirklichkeit treffgenauer zu interpretieren als die Politikwissenschaft oder die ökonomische Theorie.

Das zerstörte Botschaftsgebäude fungiert als ein lebendiges Denkmal der älteren und neueren Geschichte, aber auch der Gegenwart. Das Gebäude ist gezeichnet durch die Bombenangriffe im zweiten Weltkrieg, einen Brand, den Regen der durch das beschädigte Dach dringen konnte aber auch das Verlassensein durch den griechischen Staat. Die Ironie gegenüber dem «Γκουβέρνο» also der Regierung, charakteristisch verkörpert vom Feldherr und Helden des griechischen Befreiungskampfes und Analphabeten Makrigiannis, überdauert die Zeit. Insbesondere jetzt, da es zwischen Berlin und Athen ein angespanntes Armdrücken gibt, muss uns die Tatsache, dass wir das geschichtsträchtige Gebäude der Botschaft immer noch nicht einweihen können, wie ein Unheil verkündendes Orakel erscheinen. Konstantinos Kavafis ist immer zeitgemäß: 
«Μοιάζουνε οι προσπάθειες μας των συμφοριασμένων σαν των Τρώων. Κομμάτι καταφέρνουμε ... ».

Das heutige Griechenland muss erwachsen werden und darf nicht das minderjährige Kind der Geschichte bleiben, um Marx im übertragenen Sinne zu zitieren. Griechenland hat Rechte aber auch Pflichten. Es hat viele Möglichkeiten aber es muss seine Obsession mit der Vergangenheit überwinden. Und zwar nicht so, wie es Angela Merkel zu wiederholen pflegt, aber so wie es der sehr bedeutende aber verkannte Panagiotis Kondylis in seinem Buch über den Untergang der bürgerlichen Gesellschaft schrieb. Es ist untrennbarer Teil von Europa, muss dies jedoch zugleich ständig beweisen. Was hindert uns eigentlich daran auf universitärer Ebene international mitzuhalten, was die humanistischen Wissenschaften wie Klassische Philologie, Archäologie, Antikes Drama, Byzantinistik, usw. angeht?



Griechenland kann die Geschichte Europas verändern, es ist schon einmal geschehen. Wenn es nur seine eigene vielseitige Geschichte nicht vergisst. Die Bilder von Susanne Dimpfl haben etwas von der metaphysischen Atmosphäre von Andrei Tarkowski oder Theo Angelopoulos. Die leeren Räume bieten immer einen Ausweg an und setzen die menschliche Anwesenheit voraus, meiner Meinung nach sehr wichtig in der Komposition. Ein Mäander läuft auf dem monochromen Fresko einer verwahrlosten, porösen Wand. Es handelt sich um ein geometrisches Thema aber auch um das Symbol eines homerischen Flusses. Es handelt sich hierbei um eine übliche Ausstattung des Klassizismus im 19. Jahrhundert aber auch um ein sehr modernes Motiv. Das Wenige, welches jedoch viel bedeutet, so wie im Minimalismus und so wie es Mies van der Rohe im Bauhaus 1930 unterrichtet. 


Die Fotografien der Künstlerin Susanne Dimpfl, lesen sich auch auf einer anderen Ebene. Sie zeichnen mit einer poetischen Art den Charme eines Verfalls auf, der nicht krank ist, sondern vielmehr eine Anmut in seiner Einfachheit ausstrahlt. Es handelt sich um diese Grauschattierungen, die nicht im Staub der Zeit versinken sondern sich wieder in ein reines weiß verwandeln können. In ein weiß der Katharsis und auch in ein Schwarz der Stärke. Hier gebiert das Licht den Raum, und der Raum gebraucht das Licht, alles bereitet sich vor, um den unsichtbaren «Θίασο» das Ensemble des Dichters zu empfangen um wieder das panantike Drama zu spielen. In der Zerstörung und dem Verlassen erkennen wir jedoch ein widerstandsfähiges Bäumchen welches darauf besteht, seine Blätter nach der Sonne zu strecken. 
Es gibt Hoffnung!

Manos Stefanidis
Professor an der Universität Athen
Online: manosstefanidis.blogspot.com

(Übersetzung: Elektra Dimpfl)

Berlin, den 22.05.2015


Biographisches zur Künstlerin:
1983-1985 Kunst Studium an der „Sir John Cass Faculty of Art“, London (Diplom in Fine Art Studies)
1986-1991 Filmstudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) ,  es entstehen Kurzfilme
Seit 1988 neben Lehraufträgen und Öffentlichkeitsarbeit in Kulturinstitutionen (u.a. TU Berlin ), Ausstellungen in Fotokunst 
1998 lebt mit Ihrer Familie bei München 

www.susannedk.com

Δημοσιεύεται στο βερολινέζικο περιοδικό "Εξάντας" που κυκλοφορεί.

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